Optionsscheine (Warrants)
Ein Optionsschein gibt das Recht, aber nicht die Pflicht, eine Aktie bis zu einem bestimmten Datum zu einem festgelegten Preis, dem Basispreis (Strike), zu kaufen (Call) oder zu verkaufen (Put).
Oft schenkt eine Gesellschaft ihren Aktionären Optionsscheine oder koppelt sie bei einer Kapitalerhöhung an die neuen Aktien: Steigt die Aktie später über den Basispreis, können die Inhaber Aktien mit einem Abschlag kaufen. Auch SPACs nutzen sie häufig, deshalb haben viele US-Warrants das Kürzel der Aktie mit einem angehängten W. Ein Optionsschein wird an der Börse als eigenes Wertpapier gehandelt, kostet viel weniger als die Aktie und schwankt viel stärker (Hebelwirkung). Liegt die Aktie bei Fälligkeit unter dem Basispreis, ist ein Call-Optionsschein wertlos: Man kann alles verlieren, was man bezahlt hat.
So wird er berechnet
Innerer Wert eines Call-Optionsscheins = (Aktienkurs − Basispreis) × Bezugsverhältnis, falls positiv; sonst null. Der Börsenkurs liegt meist über dem inneren Wert: Die Differenz (Zeitwert) bezahlt die Chance, dass die Aktie vor der Fälligkeit weiter steigt, und schrumpft, je näher die Fälligkeit rückt. Das Bezugsverhältnis gibt an, wie viele Aktien man mit einem Optionsschein kaufen kann (zum Beispiel 0,5 = zwei Optionsscheine für eine Aktie).
Praxisbeispiel
Ein Call-Optionsschein auf eine Aktie zu 10 € hat einen Basispreis von 8 €, ein Bezugsverhältnis von 1:1 und läuft in einem Jahr ab: Der innere Wert ist 10 − 8 = 2 €, an der Börse kostet er 2,50 € (0,50 € Zeitwert). Steigt die Aktie auf 12 € (+20 %), ist der Optionsschein mindestens 4 € wert: +60 %. Steht die Aktie bei Fälligkeit bei 7,50 €, unter dem Basispreis, ist der Optionsschein wertlos und man verliert 100 %. Ein Put-Optionsschein mit Basispreis 8 € funktioniert umgekehrt: Er gewinnt, wenn die Aktie unter 8 € fällt.
So wird er gelesen
Je näher der Aktienkurs am Basispreis liegt und je weiter die Fälligkeit entfernt ist, desto stärker fällt der Zeitwert ins Gewicht. Der Hebel berechnet sich als (Aktienkurs ÷ Kurs des Optionsscheins) × Bezugsverhältnis: im Beispiel 10 ÷ 2,50 = 4. Das ist ein Richtwert: In der Praxis bewegt sich der Optionsschein meist etwas weniger (im Beispiel +60 % gegenüber +20 %, also dreimal so viel), und der Hebel wirkt nach oben wie nach unten.
Verwandte Einträge
Setze es in die Praxis um, ohne Risiko.
Probiere es mit 100.000,00 € virtuellem Kapital und echten Preisen aus: kostenlos und ohne Kreditkarte.